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Alexandra

Alexandra Salvenmoser

Wien. Das Urteil des Obersten Gerichtshofs im Fall der Vergewaltigung eines zehnjährigen Buben im Theresienbad in Meidling hat diese Woche die Gemüter erhitzt. Die Höchstrichter hatten das Strafmaß von sieben auf vier Jahre Haft reduziert, dies unter anderem mit der Begründung, dass es sein könne, dass es zukünftige Folgen für das Opfer "überhaupt nicht gibt".

Ebenso sorgte der Fall sexueller Übergriffe im Kinderheim am Wilhelminenberg für Empörung. Ehemalige Heimkinder hatten prozessiert und verloren, weil die Vorfälle bereits verjährt sind. Zudem wurde vor kurzem bekannt, dass die Stadt Wien in dem Fall 90.000 Euro an Prozesskosten zugesprochen bekommen hat, die die damaligen Opfer und nunmehrigen Kläger zu zahlen haben. Ist die österreichische Justiz auf dem Gebiet des Kindesmissbrauchs falsch aufgestellt? Die "Wiener Zeitung" sprach mit Alexandra Salvenmoser - als Kind selbst Opfer sexueller Gewalt - über die Folgen von Kinderschändung und Mängel im (Rechts-)System.

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(Quelle: Wiener Zeitung)

Liebe Leser und Leserinnen,

besonders in den vergangenen Jahren meiner Tätigkeit als Selbsthilfegruppenleiterin wurde ich immer wieder dafür bewundert, wie ich mit meinen Erfahrungen und Auswirkungen des sexuellen Missbrauchs umgehe und es geschafft habe, mich dem allen zu stellen und es aufzuarbeiten. Ich möchte heute gerne mein persönliches "Erfolgsrezept" mit Ihnen teilen, denn ich bin der Ansicht, dass dies Jeder verinnerlichen und erlernen kann.

Anfangs habe ich instinktiv für mich das Richtige getan. Ich habe mich dazu entschlossen, mich nicht ein Leben lang durch widerfahrene Erlebnisse und der Art und Weise wie einem die Gesellschaft häufig negativ begegnet hinter ziehen zu lassen. So begann ich für mich abzuwägen, was gut und was schlecht für mich ist und suchte mir immer häufiger Situationen, Erlebnisse und Menschen, die mir gut taten und wohlgesonnen waren. Ich habe mein Leben mehr und mehr selbst organisiert und ließ mich nicht mehr so sehr von anderen beeinflussen oder gar leiten. Da und dort holte ich mir Informationen, die mich auf meinem Weg weiter brachten. Natürlich erlebte ich Rückfälle und auch immer wieder Niederlagen, doch das war kein Grund aufzugeben, sondern dann "erst recht" für mich weiter zu kämpfen und immer wieder aufzustehen.

Mitten in meinem Leben lernte ich auch Jesus Christus kennen, der inzwischen ein wichtiger Teil in meinem Leben geworden ist. Durch ihn erfuhr ich wahre Liebe und ein Gefühl zu Hause angekommen zu sein, vollkommen angenommen. Er schenkte mir eine ganz neue Perspektive wonach ich heute noch mein Leben ausrichte und damit sehr gut und zufrieden lebe. Sorgen kann ich auch bei ihm ablegen und weiß, er kümmert sich um mich.

In nachfolgendem Artikel steht sehr gut beschrieben, wie man selbst für sein eigenes Glück sorgen kann und möchte Ihnen empfehlen es zu lesen und diesen Weg einmal zu versuchen:

zum Bericht.......

Geschwiegen wird aus Scham

Wörgl – Wer Alexandra Salvenmoser begegnet, trifft auf eine lebenslustige, optimistische Frau. Niemals könnte man erahnen, was der 44-Jährigen in ihrer Kindheit widerfahren ist. Im Alter von zwölf bis 15 Jahren wurde Alexandra sexuell missbraucht. Die Täter wurden nie für den Übergriff bestraft.

Heute kann die Tirolerin offen über die Geschehnisse von damals sprechen, um ein Tabu zu brechen und die Öffentlichkeit zu sensibilisieren. „Abschließen kann man mit dem Thema nie, aber man kann es aufarbeiten, sodass der Hass wegfällt, man ein normales Leben führen und frei sein kann“, erzählt die dreifache Mutter. „Lebenslang, doch endlich frei“ heißt deshalb auch die Selbsthilfegruppe, die Salvenmoser seit 2012 in Wörgl leitet. In Tirol sei es die einzige Gruppe mit dem Thema sexueller Missbrauch und Vergewaltigung, die auch betroffene Männer aufnimmt.

„Viele in der Gruppe, denen ein solches Schicksal in der Kindheit widerfahren ist, haben das Geschehene zunächst verdrängt. Das ist ein Schutzmechanismus, den Betroffene aufbauen, wenn sie körperlich und auch seelisch angegriffen werden. Anders kannst du nicht überleben“, erklärt Salvenmoser. Manche waren noch ganz klein, als sie missbraucht wurden. Durch die Bank handelte es sich bei den Tätern um Vertrauenspersonen – Bekannte, Väter, Stiefbrüder, Onkel, teilweise auch Mütter. Geschwiegen wird aus Scham oder aufgrund von Drohungen wie „Du kommst ins Heim“.

„Du fühlst dich unter Druck gesetzt, furchtbar beschmutzt, probierst dem auszuweichen, aber es gibt keine Wege. Dann versuchst du, einen Weg zu finden, dich von deinem Körper gefühlsmäßig zu trennen. Ich wusste damals genau, dass das ein Verbrechen ist, wollte aber niemandem schaden“, berichtet die 44-Jährige offen über den Teufelskreis. Bei Alexandra kam der Missbrauch mit 15 Jahren ans Tageslicht, als sie sich ihrem damaligen Freund anvertraute. „Es wurde mir jedoch von keinem geglaubt. Tragisch, aber in vielen Fällen gibt es sogar von Müttern keinen Rückhalt“, bedauert Salvenmoser. Gerade früher waren die Frauen oft noch von ihrem Mann abhängig. Dann hieß es: „Was sagen die Leute dazu?“, oder: „Wenn du dich schon so anziehst, dann musst du damit rechnen.“ „Aber keiner, auch wenn du noch so einen kurzen Rock trägst, hat das Recht, dich anzufassen“, sagt die Tirolerin.

Zu Verhandlungen kam es bei den Betroffenen der Wörgler Selbsthilfegruppe so gut wie nie. Zuerst wird die Gräueltat verdrängt und erst später kommen Erinnerungen in bestimmten Situationen – z. B. ausgelöst durch Gerüche – zurück. Und plötzlich gerät das Leben komplett aus den Fugen. „Ohne Aufarbeitung schaffen es die wenigsten“, weiß Salvenmoser. Eine von ihr erstellte Gruppenstatistik zeigt, dass 69 % der Betroffenen eine Therapie benötigt haben, 54 % haben einen Suizidversuch hinter sich.

Auch Alexandra Salvenmoser wollte damals ihrem Leben ein Ende setzen. Doch der Selbstmordversuch scheiterte. Das war der Knackpunkt. „Ich begann für mein Leben zu kämpfen, musste herausfinden, wer ich bin, und schaffte es, wieder Selbstbewusstsein aufzubauen. Mit 20 lernte sie ihren späteren Mann kennen und bekam drei Kinder. Kraft fand die junge Frau auch im Glauben. „Ich habe gemerkt: Wenn ich nicht vergeben kann, dann kann ich nicht weiterleben. Das war der Punkt, wo der Hass und die Bitterkeit weg waren. Ich schrieb dem Täter einen Brief und vergab ihm“, erinnert sich Salvenmoser, die ihre Geschichte unter einem Pseudonym in einem Buch verarbeitet hat.

Ob eine Bestrafung der Täter eine Genugtuung wäre? Eine schwierige Frage. Denn vor Gericht gebe es öfter eine Täter-Opfer-Umkehr – eine irrsinnige Last für Betroffene: „Da wird bei den Tätern sehr oft davon berichtet, welche harte Kindheit sie hatten und sie deshalb so geworden seien. Das Opfer dagegen wird so hingestellt, als hätte es den Täter verführt und wäre demnach mit schuld am sexuellen Missbrauch. Wer fragt denn da, wie das Opfer seine Vergangenheit bewältigen kann? Und würde man immer die Kindheit für alles verantwortlich machen, müssten Opfer selbst später ja auch zu Tätern werden“, sagt Salvenmoser.

Auch das Strafausmaß sollte viel höher sein und es sollte keine Verjährung geben. Oft dauert es nämlich Jahrzehnte, bis jemand dazu fähig ist, darüber zu sprechen. Dann fehlen meist die Beweise und es heißt womöglich: „Warum kommst du denn erst jetzt?“ Dass dies aber mit Scham zusammenhängt, daran denke niemand. „Verurteilten Tätern wird außerdem eine Therapie vom Staat bezahlt, Betroffene dagegen müssen selbst darum kämpfen und kommen nur schwer zu einer Kostenübernahme“, weiß die 44-Jährige.

Gesellschaftlich gehöre also noch viel verändert. Salvenmoser versucht mit der Selbsthilfegruppe, Betroffenen Kraft zu geben. „Es ist wichtig, das Schweigen zu brechen. Wir bedauern uns nicht, zeigen aber Mitgefühl, können auch miteinander lachen. Wirklich nachempfinden, wie es einem geht, können es nur jene Menschen, die ein solches Schicksal selbst mitgemacht haben.“

Infos. Dachverband Selbsthilfe Tirol: 512/577198.

(Quelle: TT Nicole Strozzi)

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