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Montagsgebet

Es ist Zeit, etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen.

(Meister Eckhart)

Es wird viel über die „guten Vorsätze“ zum Beginn eines neuen Jahres geredet ... sehr wahrscheinlich auch deshalb, weil so wenig davon umgesetzt wird. Trotzdem zeigen solche Vorsätze, dass wir spüren: so manches könnte anders oder besser sein, ja und da ist auch eine Sehnsucht nach dem Anderen.

Veränderungen sind aber schwierig ... das Vertraute gibt Halt, da weiß man woran man ist.

Das Neue muss da schon reizvoll sein, damit wir uns auf den Weg machen, uns danach ausstrecken. Meister Eckerhart spricht vom Zauber des Anfangs.

Wo ist dieser Zauber am Beginn dieses Jahres? Wir haben so viele schwierige Themen aus dem letzten Jahr über den Jahreswechsel hinübergerettet. Ungewissheiten, Sorgen und Ängste sind nicht weniger geworden. Und wir haben uns selbst ja auch weiter im Gepäck dabei. Da ist erst mal nicht viel von Zauber zu spüren.

Im 21. Kapitel der Offenbarung des Johannes sagt der Seher mitten in seine schwierige Zeit hinein: „So spricht der Christus, der wiederkommen wird: Seht ich mache alles neu!“

Gott selbst legt den Zauber in unsere Zeit hinein. Er macht unsere Zeit einmalig und er macht sie zu gesegneter Zeit. Segensworte ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des Menschen mit diesem Gott. „Sei gesegnet und sei ein Segen! Du und deine Nachkommen!“

Wir dürfen auf diesen Segen vertrauen und uns dem Zauber unserer Momente anvertrauen. Wir dürfen heute neu beginnen, den Zauber in unserem Arbeiten und in den Menschen rund um uns herum neu entdecken.

Ich brauche nichts! Ich habe alles, was nötig ist. Solche Bedürfnislosigkeit ist „in“. Niemand gibt gern zu, dass doch irgendetwas fehlt ... Bescheidenheit?

„Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr!“ ... so sagt es der Volksmund.

Bescheidenheit meint ursprünglich sich einem amtlichen Bescheid fügen, sich an das halten, was einem beschieden/Bescheid gegeben wurde. Der biblische Begriff der Bescheidenheit (vor allem in der Weisheitsliteratur) meint dagegen Genügsamkeit, sich nicht in den Vordergrund drängen, dem anderen Raum geben, sich klug verhalten, damit Zusammenleben gelingen kann. Bescheidenheit hat eine soziale Dimension.

Menschen- und Religionsgeschichte haben Bescheidenheit zu einem moralisch/ethischen Begriff umgewandelt. Tugendhaft ist es, sich ohne Murren dem Schicksal, dem von Gott Beschiedenen zu beugen, nicht nach Veränderung zu suchen. Gott bestimmt und das muss reichen. So verstanden verherrlichen die Seligpreisungen in den Evangelien Armut und Unrecht und zeichnen ein lebensfeindliches Bild von Gott und Welt. Das eigentliche Leben kommt erst danach. Kirche oder menschliche Lebensgemeinschaft verliert ihre prophetische Dimension und wird zur Bewahrerin bestehender Ungerechtigkeit. Hier liegt mit ein Grund für die heutige Flucht vieler Menschen vor Religion, Gott und Kirche. Hier liegt auch die Wurzel für die Suche nach Lebenserfüllung über das Haben, Besitzen und Verbrauchen.

Biblische Geschichte von Gott und Mensch hat einen anderen Kern. Da geht es um Sehnsucht und schöpferische Entfaltung. „Wachset und mehret euch!“ Da ist die Sehnsucht nach mehr Leben das Zentrum. Und so folgt Abraham seiner Sehnsucht nach Leben und Sicherheit, so sucht Israel geleitet von Wolke und Feuerschein nach dem gelobten Land und so kommen die Weisen einem Stern folgend zur Krippe.

Neues ist nur da möglich, wo Sehnsucht lebt. Sehnsucht spüren und ihr nachgehen hat nichts mit Untugend und mangelnder Bescheidenheit zu tun. Sehnsucht ist Teil unserer Berufung zu einem Leben in Fülle.



„Sehnsucht ist der Beweis, dass der Geist eine höhere Seligkeit sucht.“

(Bettine von Arnim)

Wir dürfen in dieser Woche auf unsere Sehnsucht achtgeben und unserem Stern folgen, damit der neue Anfang in diesem Jahr zu neuen Wegen wird.

Michael

Ich werde dich segnen ... und du sollst ein Segen sein (Gen 12,2)

Auftrag und Verheißung an Abraham bei seinem Aufbruch aus dem Zweistromland nach Kanaan.

Segen? Gehört zu liturgischen Feiern: die enden mit einem Segen. Oder wir lassen Gegenstände segnen. Uns soll etwas Gutes passieren, gesegnete Gegenstände sollen uns beschützen oder der Segen über Feld und Flur soll alles gut wachsen lassen. – Ich fühl mich manchmal nicht wohl dabei. Das klingt nach Magie und Zauber.

Segen hat mit Magie nichts zu tun! Segen (von lat. benedicere) bedeutet „gut sprechen“. Ja wenn Gott uns segnet, dann spricht er gut zu uns, nennt uns seine Kinder, seine Freunde. Und der Auftrag an Abraham und an uns „Du sollst ein Segen sein!“ meint auch, gute Worte für den und die anderen zu suchen und auszusprechen.

Das klingt einfach?

Ich ertappe mich dabei, dass ich oft achtlos hier an Kollegen oder Schülern vorbeigehe. Kein Gruß, kein gar nichts. Oder, wenn mir jemand in die Quere kommt, dann schimpfe ich zumindest innerlich. Oft genug rutscht mir aber auch ein dummes Wort über die Lippen. Beim Autofahren ist das ganz oft so ... da fährt einer viel zu langsam vor mir und lässt mich nicht vorbei ... oder es nimmt mir einer die Vorfahrt. Es gibt so viele Momente an einem Tag, in denen ich kein gutes Wort für andere habe.

Ein Impuls für diese Arbeitswoche ...

... beim Aufstehen an die Menschen denken, von denen ich weiß, dass sie mir während des Tages begegnen und ihnen schon vorher Gutes wünschen

... morgens ein bewusster Gruß, den anderen wirklich wahrnehmen und wirklich einen guten Tag wünschen ... nicht nur ein routinemäßiger Gruß in den leeren Raum

... danke sagen für die kleinen Aufmerksamkeiten, die mir immer wieder entgegengebracht werden

... abends noch mal die Begegnungen des Tages nachdenken und danken

... morgens und abends um Gottes Segen, um sein Dasein bitten


Damit der Weg durch diese Woche ein Segensweg wird.

Gruß

Michael

Ich werde dich segnen ... und du sollst ein Segen sein (Gen 12,2)

Segen und segnen verbindet! Dieses Denken ist aber gegenläufig. Konkurrenz steht im Vordergrund.

Im sozialen Bereich geht es um Selbstverwirklichung, Durchsetzungsvermögen und Leistung. Wirtschaft spricht von Gewinnmaximierung. Schneller, höher und weiter! Unser Lebenssystem kennt keinen Stillstand mehr. Wer oder was nicht wächst, hat verloren und ist außen vor. Konkurrenz geht zu Lasten der Schwächeren.

Die soziale Schere klafft immer weiter auseinander, immer mehr Menschen bei uns leiden an psychischen Erkrankungen. Mobbing ist zu einer Modeerscheinung geworden. Die sogenannten Fake-News stiften Angst und Verwirrung und zerstören Existenzen. Da wird Konkurrenz oft bis zum Letzten ausgereizt.

Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und meine Wege sind nicht eure Wege! – so spricht Gott durch den Propheten Jesaja.

Seine Wege sind Menschenfreundlichkeit, Barmherzigkeit und Vertrauen.

„Vertrauen macht selig den, der es hat, und den, der es einflösst!“ (Marie von Eber-Eschenbach).

Segen ist der Boden, auf dem Vertrauen wachsen kann. Ich wünsche uns eine gesegnete Woche, in der wir gegen den Trend leben und Gottes Zeichen in unserer Welt setzen können.

Segen verbindet und schafft Vertrauen, so haben wir die letzte Woche begonnen. Menschliche Gemeinschaft offenbart aber auch immer Grenzen ... die Schwächen, die da sind oder verschiedene Denk- und Sichtweisen, unterschiedliche Ziele und Methoden, wie das Gewünschte erreichen. Zusammensein geht nicht ohne Auseinandersetzung und ist nicht konfliktfrei und es darf ja auch nichts einfach schön geredet werden.

Psalm 37 stellt uns einen Beter vor, der diese Erfahrung macht. Dieser wird zornig ob der Differenzen zwischen Menschen, ob der Ungerechtigkeit in Sachen Erfolg und Anerkennung. Und er hört Gottes Antwort:

Steh ab vom Zorn und lass den Grimm; / erhitze dich nicht, es führt nur zu Bösem.

(Ps 37,8)

Ein Aspekt von Vertrauen ist die Gelassenheit. „Ein gelassenes Herz bedeutet Leben für den Leib“, so heißt es im Buch der Sprichwörter (Spr 14, 10).

Gelassenheit kühlt jedweden Zorn, Gelassenheit überwindet Enttäuschungen und Ängste.

Von Reinhold Niebuhr stammt ein Gelassenheitsgebet, das uns in dieser Woche begleiten kann:

Gott, gib mir die Gnade, mit Gelassenheit Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.



Eine gute Woche

Michael